Maxie Wander_Guten Morgen, du Schöne
Inhalt:

„Guten Morgen, du Schöne“: Maxie Wander und die Stimmen, die gehört werden müssen

Maxie Wanders Guten Morgen, du Schöne ist ein literarisches Zeitdokument, das Frauen Raum gibt, ihre Geschichten zu erzählen. Ehrlich, direkt und voller Fragen nach Identität – ein Buch, das uns auffordert, genau zuzuhören.

„Vielleicht ist dieses Buch nur entstanden, weil ich zuhören wollte.“

Dieser schlichte Satz aus Maxie Wanders Vorbemerkung beschreibt das Wesen von „Guten Morgen, du Schöne“ besser als jede literarische Analyse.

Es ist ein Werk, das Frauen zuhört – Frauen, die in der DDR der 1970er Jahre lebten, arbeiteten, liebten und zweifelten.

Die 19 Monologe, die aus Tonbandaufnahmen entstanden, erzählen Geschichten von Frauen unterschiedlichsten Alters und Hintergründen. Es sind Geschichten, die wir zu leicht in Kategorien wie „feministisch“ oder „gesellschaftskritisch“ einordnen könnten – und doch wehrt sich dieses Buch gegen solche Etiketten.

Die Stärke des Zuhörens

Maxie Wander, die aus Österreich stammte und seit 1958 in der DDR lebte, war nicht darauf aus, ihre Gesprächspartnerinnen in eine bestimmte Richtung zu lenken.

Sie hörte einfach zu.

Aus dieser Haltung entstand ein Buch, das eine Leerstelle in der Gesellschaft aufgriff: die Frage, wie Frauen sich selbst sehen und verstehen.

Christa Wolf, die ein Vorwort zu diesem Buch schrieb, brachte es auf den Punkt:

„Nicht mehr, was sie haben, fragen sie zuerst, sondern: wer sie sind.“

Diese Selbstbefragung zieht sich durch alle Texte. Es sind Monologe voller Zweifel und Sehnsucht, voller Fragen nach einem authentischen Leben, nach Individualität und Selbstverwirklichung.

Ein Satz, der stellvertretend für viele Stimmen steht, lautet:

„Zweifeln, Forschen, Fragen, das sind alles Dinge, die uns abhanden gekommen sind.“

Dieses Gefühl der Fremdheit – sich selbst und der Gesellschaft gegenüber – durchzieht die Monologe wie ein roter Faden.

Mehr als ein feministisches Werk

Es wäre zu einfach, „Guten Morgen, du Schöne“ als rein feministisches Buch zu lesen.

Wanders Ansatz war nicht, Frauen gegen Männer auszuspielen oder sie in eine Rolle des Widerstands zu drängen. Vielmehr zeigt das Buch, wie sich die Frauen in ihren eigenen Gedanken und Wünschen unabhängig von den Männern definieren.

Hier entsteht eine bemerkenswerte Tiefe:

Die Fragen nach Selbstverwirklichung, nach dem richtigen Leben und nach individuellen Entscheidungen werden schonungslos offengelegt – und dabei nie von der Einsamkeit getrennt, in der diese Fragen oft entstehen.

Ein Buch, das zu Selbstbefragung einlädt

Was dieses Buch so zeitlos macht, ist die Einladung, sich selbst darin zu entdecken. Christa Wolf schrieb in ihrem Vorwort:

„Dies ist ein Buch, dem jeder sich selbst hinzufügt. Beim Lesen schon beginnt die Selbstbefragung.“

Diese Aussage könnte nicht zutreffender sein. Beim Lesen der Monologe erkennt man, dass es nicht nur um die Frauen der DDR geht, sondern um universelle Themen, die uns alle betreffen:

Die Suche nach Authentizität, die Frage nach einem selbstbestimmten Leben und die stille, aber kraftvolle Art, wie Menschen durch Worte Verbindung schaffen können – zu sich selbst und zu anderen.

Fazit: Ein Buch, das bleibt

„Guten Morgen, du Schöne“ ist mehr als eine Sammlung von Monologen. Es ist ein Buch, das zum Zuhören einlädt – nicht nur den Frauen, die darin sprechen, sondern auch der eigenen inneren Stimme. Maxie Wander gibt den Frauen der DDR eine Bühne, die weit über ihre Zeit hinausreicht.

Wenn du dich auf diese Texte einlässt, wirst du merken: Es geht nicht nur um ihre Fragen, sondern auch um deine. Das macht dieses Buch zu einem Werk, das nicht nur gelesen, sondern gefühlt und erlebt werden will.

Warum lesen?

  • Weil es zeigt, wie kraftvoll Worte und Zuhören sein können.
  • Weil es universelle Fragen nach Selbstfindung und Authentizität stellt.
  • Weil du beim Lesen selbst zur Zuhörerin wirst – und zu jemandem, der versteht.

Buchdetails:
Autorin: Maxie Wander
Titel: Guten Morgen, du Schöne
Genre: Monologsammlung / Protokollierte Gespräche
Verlag: Aufbau Verlag
Seitenanzahl: 220 Seiten
Preis: 12 Euro