„Brennendes Licht“: Wie Anna Seghers im Exil ihre Stimme neu fand
Anna Seghers im mexikanischen Exil: Zwischen literarischem Ruhm und persönlichem Schmerz zeichnet Volker Weidermann in Brennendes Licht das bewegende Porträt einer Schriftstellerin, die in einer fremden Welt ihren Platz sucht.
Anna Seghers in Mexiko
Gefangen zwischen Fremdheit, Bewunderung und Sehnsucht verbrachte Anna Seghers sechs prägende Jahre im mexikanischen Exil. Die Kommunistin und Jüdin floh vor den Nationalsozialisten, teilte das Schicksal vieler Emigranten und fand schließlich in Mexiko Zuflucht – einem Land, das ihr anfangs fremd war und sie doch auf vielfältige Weise inspirierte.
Volker Weidermann widmet sich dieser Phase in „Brennendes Licht. Anna Seghers in Mexiko“. Mit gewohntem Fleiß und einer beeindruckenden Liebe zum Detail schildert er, wie Seghers Jahre in Mexiko von literarischem Erfolg, persönlicher Krise und politischem Engagement geprägt waren.
Ein literarisches Leben im Exil
In Mexiko fand Anna Seghers nicht nur einen Zufluchtsort, sondern auch eine intellektuelle Gemeinschaft. Sie gründete den Heinrich-Heine-Club, einen Treffpunkt für Emigranten und Gleichgesinnte, und erlangte durch die englische Übersetzung von „Das siebte Kreuz“ literarischen Ruhm sowie finanzielle Unabhängigkeit. Gleichzeitig vollendete sie ihren Roman „Transit“, schrieb die eindringliche Erzählung „Der Ausflug der toten Mädchen“ und arbeitete unermüdlich, obwohl ein schwerer Autounfall sie körperlich und seelisch aus der Bahn warf.
Weidermann fängt diese Zeit ein, in der Seghers Leben und Werk untrennbar miteinander verwoben sind. Er zeigt, wie sie sich mitten in innerparteilichen Konflikten bewegte, zwischen ihrer Rolle als Schriftstellerin und politischer Akteurin balancierte und dennoch immer wieder zu ihrer literarischen Stimme fand.
Eine Annäherung voller Hürden
Seghers war eine Frau, die sich selten über sich selbst äußerte und bewusst eine Mauer um sich errichtete. Volker Weidermann kämpft in seinem Buch mit dieser Distanz. Seine Schilderungen sind geprägt von der Suche nach einer Persönlichkeit, die sich nicht vollständig greifen lässt.
Am stärksten ist Weidermann, wenn er sich Seghers Werken zuwendet. In fließenden, atmosphärischen Sätzen gelingt es ihm, die Bedeutung und die emotionale Wucht ihrer Texte zu vermitteln. Doch sobald er sich der Frau hinter den Büchern nähern will, wirkt sein Stil suchend und manchmal stolpernd. Dieser Umstand mag unbefriedigend erscheinen, spiegelt aber auch die Schwierigkeit wider, eine Persönlichkeit wie Anna Seghers in ihrer Ganzheit zu erfassen.
Ein Buch, das den Raum öffnet
„Brennendes Licht“ ist keine klassische Biografie. Es ist vielmehr eine Annäherung an Anna Seghers, die den Leser:innen bewusst die Freiheit lässt, sich selbst mit ihr auseinanderzusetzen. Weidermann wertet nicht, sondern beobachtet – und stellt Seghers in den Mittelpunkt, ohne sie moralisch oder literarisch zu bewerten.
Das Ergebnis ist ein kurzweiliges, aber tiefgründiges Porträt einer Frau, deren Leben und Werk untrennbar mit den Erfahrungen des Exils und den Herausforderungen ihrer Zeit verbunden sind.
Buchdetails:
Autor: Volker Weidermann
Titel: Brennendes Licht. Anna Seghers in Mexiko
Genre: Biografie / Literaturporträt
Verlag: Aufbau Verlage
Seitenanzahl: 224 Seiten
Preis: 24 €


