Es ist Sarah: Eine Liebe, die verschlingt – bis nichts mehr bleibt
Was passiert, wenn Liebe alle Grenzen sprengt? Es ist Sarah erzählt die Geschichte einer leidenschaftlichen und obsessiven Beziehung, die alles verschlingt – und den Leser atemlos zurücklässt.
Was bleibt von der Liebe, wenn sie alles verschlingt? In „Es ist Sarah“ beschreibt Pauline Delabroy-Allard die Intensität absoluter Hingabe und die Grenzenlosigkeit einer Liebe, die zur Obsession wird. Es ist ein Roman, der keine Kompromisse macht und ein Gefühl einfängt, das sich jeder Einteilung in Alter, Geschlecht oder Herkunft entzieht.
Die namenlose Ich-Erzählerin, eine Lehrerin, Mutter und verlassene Frau, führt ein farbloses Leben – bis sie auf Sarah trifft. Sarah, die stürmische, extrovertierte Violinistin, bringt mit ihrer Präsenz die monotone Welt der Erzählerin zum Erbeben. Ihre erste Begegnung in einer Silvesternacht ist der Beginn eines emotionalen Rauschs, der alles verschlingt: den Alltag, die Familie, die Identität.
Zwischen Liebe und Selbstverlust
„Es ist Sarah“ ist eine Geschichte der extremen Gegensätze. Im ersten Teil des Romans wird die aufblühende Beziehung in einem Sog aus Leidenschaft und Nähe erzählt. Sarah wird zur zentralen Achse, um die sich alles dreht. Selbst die Tochter der Erzählerin rückt ins Abseits, während das Leben sich auf die eine Person konzentriert: Sarah.
Die Sprache passt sich diesem Strudel an. Die Sätze werden kürzer, atemloser. Sie jagen einander, lösen sich fast in ihrem Rhythmus auf, als könnten sie die Intensität der Gefühle kaum tragen. Sarah dominiert jede Zeile, jede Szene, jeden Gedanken.
Doch was mit Leidenschaft beginnt, wird bald zur Obsession. Die Erzählerin verliert sich in der Beziehung. Die Grenzen zwischen „ich“ und „du“ verschwimmen, bis nichts mehr übrig bleibt – nur Sarah.
Der Fall ins Nichts
Wo grenzenlose Liebe keine Trennung zulässt, führt sie zwangsläufig ins Unerträgliche. Der zweite Teil des Romans zeigt die Erschöpfung nach dem Rausch: Die Sprache wird schwerer, wirrer, stolpert fast. Jeder Versuch, sich zu lösen, endet in Schmerz. Leidenschaft wird zur Qual, Nähe zur Last, das Leben ein einziges Ausgebranntsein.
Delabroy-Allard steigert diese Dynamik ins Absolute. Ihr Stil erinnert an Simone de Beauvoirs „Sie kam und sie blieb“, wo Françoise an der toxischen Abhängigkeit zu einem anderen Menschen zerbricht. Auch die autobiografischen Züge aus Delphine de Vigans „Nach einer wahren Geschichte“ scheinen hier auf. Doch Delabroy-Allard treibt das Thema noch weiter: Das Ende ist nicht nur Schmerz – es ist völlige Leere.
Ein literarisches Kunststück über die zerstörerische Kraft der Liebe
Pauline Delabroy-Allard zeigt in „Es ist Sarah“, wie sich die eigene Identität im Spiegel der absoluten Liebe auflösen kann. Mit einer Sprache, die zuerst überschäumt und dann ins Fragmentarische zerfällt, führt sie die Leser:innen durch eine Liebesgeschichte, die intensiv und unerträglich zugleich ist.
Dieser Roman ist nichts für sanfte Gemüter. Er ist ein ungeschönter Blick auf die Grenzen des menschlichen Gefühls – und auf das Nichts, das nach dem Absoluten bleibt.
Buchdetails:
Autorin: Pauline Delabroy-Allard
Titel: Es ist Sarah
Genre: Roman
Übersetzung: Christian Ruzicska
Verlag: Frankfurter Verlagsanstalt
Seitenanzahl: 192 Seiten
Preis: 20 €


